30.08.2026, 11:10–12:30 Uhr (Europe/Berlin), Raum 5
Das Reusability Paradox besagt, dass die Nachnutzbarkeit von OER umso geringer ist, je höher ihr didaktischer Wert ist (Wiley, David: The Revisability Paradox). Die daraus resultierende Schlussfolgerung ist ernüchternd: Nutzbare OER sind didaktisch nicht besonders wertvoll.
Eine deutschlandweite Befragung von Lehrkräften ergab jedoch, dass sich Lehrkräfte zur Verbesserung ihres Unterrichts und zur Entlastung im Arbeitsalltag OER-Materialpakete mit hohem didaktischem Wert wünschen – etwa komplette Unterrichtsreihen oder ganze Lernbausteine für selbstorganisiertes Lernen. Solche Materialpakete enthalten didaktische Kommentare, sie enthalten verschiedene Medienarten und mehrfache Versionen des Arbeitsmaterials, bspw. für LRS, Förderbedarf Lernen / Sehen / Autismus etc. Sie bestehen aus ca. 100 - 200 Dateien mit durchgängigem didaktischen Konzept. Die Nutzung von so komplexen Materialpaketen kann anspruchsvoll sein.
Beim HackathOERn in Göttingen haben wir das Reusability Paradox aus einer neuen Perspektive betrachtet: Aus einem scheinbar unlösbaren Paradox wurde eine technische und gestalterische Herausforderung - das Nachnutzbarkeitsproblem wurde zu einer Aufgabe für ein anspruchsvolles User-Experience-Design. Gemeinsam mit der Expertise der anwesenden OER-Community haben wir einen Prototypen entwickelt, der die „5R-Freiheiten“ (verwahren, verwenden, verarbeiten, vermischen, verbreiten) (Muuß-Merholz, Jöran: 5 RS von OER: 5 R-Freiheiten nach David Wiley) von komplexen Materialpaketen auch für zeitlich stark belastete Lehrkräfte ermöglichen soll.
In diesem Input stelle ich den Prototypen aus dem HackathOERn vor und freue mich über kritisch mitdenkende Zuhörer:innen: Kann das Reusability Paradox so aufgelöst werden? Was ist zu beachten? Kennt ihr andere Lösungsansätze für das Reusability Paradox? Wie kann der Weg weitergehen, um mit Hilfe von didaktisch hochwertigen OER die Unterrichtsqualität zu verbessern und OER für Lehrkräfte attraktiver zu machen?
Fortgeschrittene, Profis
Aktivitätsgrad –viel Input
Ute war Astronomin (und hat schwarze Löcher entdeckt), sie war Mathe- und Physiklehrerin an einer Brennpunktschule in Berlin (und hat benachteiligten Kindern einen MSA ermöglicht) und sie war an einer Schule mit bilingual Deutsch-Türkischem Abitur. Sie war Fachleiterin (und hat Quereinsteiger:innen ausgebildet) und ist Mit-Herausgeberin der Zeitschrift „Unterricht Physik“. Zur Zeit forscht sie am Institut für Didaktik der Physik der Uni Münster zum Lehrkräftebedarf: Welche OER benötigen Lehrkräfte, um sie im Alltag zu entlasten und ihren Unterricht zu verbessern?